{"id":1348,"date":"1992-10-26T17:49:00","date_gmt":"1992-10-26T17:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/lqmusic-wp\/unkategorisiert\/four-hours-of-folk-for-human-rights\/"},"modified":"2021-08-28T23:42:21","modified_gmt":"2021-08-28T22:42:21","slug":"vier-stunden-folk-fuer-die-menschenrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.latinquartermusic.com\/de\/neu\/artikel\/vier-stunden-folk-fuer-die-menschenrechte\/","title":{"rendered":"Vier Stunden Folk f\u00fcr die Menschenrechte"},"content":{"rendered":"<h2>Latin Quarter und The Dostoyevskys machten auf ihrer ai-Tour im Audimax Station<\/h2>\n<p>Im allgemeinen werden Popkonzerte erst einmal daran gemessen, wieviele Fans zum jeweiligen Ereignis pilgern. Bedeutende Gruppen konzertieren eben zuv\u00f6rderst in gro\u00dfen Hallen. Wobei allerdings nicht selten die Bedeutung von den Zahlen des Plattenverkaufs und der Popularit\u00e4t abgeleitet wird und weniger von der k\u00fcnstlerischen Originalit\u00e4t. So sind manchmal die kleinen Sachen wirklich die feinen &#8211; so wie das Konzert von &#8222;Latin Quarter&#8220; und &#8222;The Dostoyevskys&#8220; zugunsten von amnesty international am Sonntag abend im Audimax der Justus-Liebig-Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Angek\u00fcndigt worden war das Benefizkonzert ohne die grellen T\u00f6ne, die dem Popbusiness eigen sind: ein paar zur\u00fcckhaltend gestaltete Plakate und ein mehr erkl\u00e4render als werbender Handzettel, das war&#8217;s. Ein Fall von wohldosiertem Understatement &#8211; das sollte sich im Verlauf des langen, langen Abends zeigen. Dies lag zum einen an der ganz und gar ungew\u00f6hnlichen Organisation: Nicht Vorgruppe and &#8222;Top-Act&#8220; konzertierten nacheinander, sondern sie musizierten und sangen miteinander. Zum zweiten, und das war das Entscheidende, entfachten die Musiker eine ausgezeichnete Feten-Stimmung, die bar jeder Hektik war und auch das Inhaltliche nicht zu sehr in den Hintergrund dr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Die \u00dcberraschung des Abends boten dabei &#8222;The Dostoyevskys&#8220;. Das hierzulande noch weitgehend unbekannte Sextett mischt keltische und osteurop\u00e4ische Folklore mit Rock- und Funkelementen zu einer originellen, haupts\u00e4chlich explosiven, aber auch mal melancholischen Mischung. Die Waliser um ihren kreativen Kopf Wayne Jackson, der fr\u00fcher &#8222;Roadie&#8220; bei &#8222;Latin Quarter&#8220; war, gl\u00e4nzten \u00fcber zwei Stunden lang mit einer beispielhaften Spielfreude, die man bei so vielen Routine-Rockern oft vermissen mu\u00df.<\/p>\n<p>Das Publikum tanzte ausgelassen, einzelne f\u00fchlten sich sogar animiert, Volkst\u00e4nze zu imitieren. (Im \u00fcbrigen: Wenn man sich vor Ohren f\u00fchrt, wie viele Flachpfeifen die Charts pr\u00e4gen, dann darf man es einen bezeichnenden Aberwitz nennen, da\u00df bislang keine Plattenfirma diese Folk-Band unter Vertrag genommen hat.) Den musikalischen Kontrapunkt zu &#8222;The Dostoyevskys&#8220; setzten &#8222;Latin Quarter&#8220;: Bei den Songs der mittlerweile auf ein Duo geschrumpften Band dominieren eindeutig die leisen, die nachdenklich-anklagenden T\u00f6ne. S\u00e4nger Steve Skaith und sein Gitarrist Richard Wright singen im Sinne von amnesty international: Ihre Texte prangern Menschenrechtsverletzungen und politische Heuchelei an &#8211; keineswegs mit dem verbalen Hammer, sondern feinsinnig, aber unmi\u00dfverst\u00e4ndlich. Auch musikalisch brachten sie andere Nuancen zu Geh\u00f6r als &#8222;The Dostoyevskys&#8220;.<\/p>\n<p>Zwar trifft auch hier das Pr\u00e4dikat Folk-Band. Doch stammen die Folklore-Elemente nicht aus der &#8222;alten&#8220;, sondern vornehmlich aus der &#8222;neuen Welt&#8220; und aus Afrika: US-Folk, lateinamerikanische Rhythmen und Blues beschlossen den zweiten Teil des &#8222;Konzertes f\u00fcr die Menschenrechte&#8220;. Dieser war nicht allein wegen der intensiven Interpretation von &#8222;Radio Africa&#8220; h\u00f6renswert, wof\u00fcr das erstaunliche Stehverm\u00f6gen der rund 600 Fans als Ausweis gelten konnte.<\/p>\n<p>Knapp vier Stunden tolle Folk-Musik moderner Spielart boten die beiden Bands. F\u00fcr 24 DM an der Abendkasse erhielt man zudem ein erstklassiges Preis-Stunden-Verh\u00e4ltnis. Wer Folklore mag, aber nicht im Audimax war, darf sich \u00e4rgern. Oder am kommenden Samstag nach Siegen fahren, wo die beiden Gruppen die amnesty-Tour fortsetzen werden.<\/p>\n<p>(Gie\u00dfenden Zeitung, 26.10.1992)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Latin Quarter und The Dostoyevskys machten auf ihrer ai-Tour im Audimax Station Im allgemeinen werden Popkonzerte erst einmal daran gemessen, wieviele Fans zum jeweiligen Ereignis pilgern. Bedeutende Gruppen konzertieren eben zuv\u00f6rderst in gro\u00dfen Hallen. 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