{"id":1316,"date":"1993-11-19T18:17:32","date_gmt":"1993-11-19T18:17:32","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/lqmusic-wp\/unkategorisiert\/weve-come-so-far\/"},"modified":"2021-08-28T01:35:25","modified_gmt":"2021-08-28T00:35:25","slug":"good-times-mit-steve-skaith","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.latinquartermusic.com\/de\/neu\/interviews\/good-times-mit-steve-skaith\/","title":{"rendered":"Good Times mit Steve Skaith"},"content":{"rendered":"<p>von Claudia Wedeleit<\/p>\n<p>Latin Quarter mit neuer CD auf Deutschland Tour. Mit neuen Liedern und einer neuen Band versuchen Steve Skaith und Richard Wright wieder den Anschlu\u00df zu finden. Claudia Wedeleit unterhielt sich mit S\u00e4nger und Autor STEVE SKAITH.<\/p>\n<p>Saarbr\u00fccken, 19.11.93:<\/p>\n<p>Nach der Aufl\u00f6sung von LATIN QUARTER 1990 war es nur eine Frage der Zeit bis der Gr\u00fcndungskern Steve Skaith, Richard Wright und Lyriker Mike Jones mit einem neuen Projekt aufwarten. 1993 war es dann soweit: mit dem Album &#8222;Long Pig&#8220; legt die neuformierte Band ein weiteres Meisterwerk vor. Komponist und Arrangeur Skaith hat mit der Hinzunahme von Geige und Akkordeon seiner Musik einen weiteren unwiderstehlichen Reiz gegeben und die Lyrics von Mike Jones haben ihre Qualit\u00e4t gehalten. F\u00fcr GOOD TIMES erz\u00e4hlte Skaith \u00fcber seine Band und seine Musik.<\/p>\n<p>CLAUDIA: Euer erstes Album &#8222;Modern Times&#8220; wurde von der Plattenfirma als &#8222;das Popalbum des denkenden Menschen&#8220; angepriesen. Sp\u00e4ter hatte es den Anschein, da\u00df ihr einen sparsameren, gitarrenorientierteren Sound entwickeln wolltet. Gleichzeitig \u00fcbernahmst Du mehr Leadvocals. Hattet ihr die Bef \u00fcrchtung, da\u00df Eure harmonisch-melodi\u00f6s klingenden Botschaften vom Publikum ignoriert werden k\u00f6nnten?<br \/>\nSTEVE: Nein, nicht wirklich. Ich meine trotz des Erfolges in Deutschland mit dem ersten Album, war es im Allgemeinen kein erfolgreiches Projekt gewesen. Und wir hatten auch das Gef\u00fchl, da\u00df es zu uneinheitlich war. Es war nicht klar wer Latin Quarter mit drei Leads\u00e4ngern war. F\u00fcr Live-Auftritte war das gut. Doch auf Platten brauchen Bands einen Sound, so wie R.E.M. einen Sound haben oder THE CURE. Und besonders auf SWIMMING AGAINST THE STREAM versuchten wir einen Sound zu entwickeln mit dem wir uns wohler f\u00fchlten, der einheitlicher war. Ich denke, da\u00df das Problem auf die Anf\u00e4nge der Band zur\u00fcck geht, da\u00df wir nicht auf nat\u00fcrliche Art zusammengestellt wurden. Es waren zu viele unterschiedliche musikalische Auffassungen vorhanden, es pa\u00dfte nicht 100%ig zusammen. Ich glaube, da\u00df wir jetzt (mit dem neuen Album) zum ersten Mal eine zentrale Idee haben, um die alles organisiert ist.<\/p>\n<p>CLAUDIA: Nach meiner Ansicht zeichnet Ihr oft in Euren Songtexten Schwarz-Wei\u00df-Bilder auf eine sehr subtile Art (z.B. die &#8222;gute&#8220; 3. Welt und die &#8222;schlechte&#8220; 1. Welt). Ist es wirklich so einfach? Und wie sieht es mit dem Sozialismus nach dem Kollaps des Kommunismus in Europa aus?<br \/>\nSTEVE: Danke f\u00fcr diese einfachen Fragen (lacht)! Es ist offensichtlich nicht einfach. Ich denke nicht, da\u00df auf dem Album der Versuch gemacht wird Themen wie z. B. schwarze Politiker anzugehen. Das ist kein Manifest, das sind Songs. Und die Songs sind voller Eindr\u00fccke, Gef\u00fchle und Ideen, die irgendwie am Ende ein schreckliches Bild entstehen lassen doch es ist kein deutliches Manifest. Es ist ein Thema, das immer wiederkehrt, das stimmt. Doch wir w\u00e4hlen die Songs f\u00fcr ein Album nicht aus textlichen sondern aus musikalischen Gr\u00fcnden. Wir denken nie &#8218;Wir m\u00fcssen diesen Song unbedingt wegen des Textes auf das Album bringen&#8216;. Aber nat\u00fcrlich bringen die Texte am Ende ein Bild hervor und dieses ist fast eines der Verzweiflung kontra Optimismus. Und das beantwortet deine Frage, ich meine, was ist m\u00f6glich? Ist Humanit\u00e4t in der Lage jetzt etwas zu tun? Ist sie in der Lage ein Utopia zu bilden, ist sie in der Lage sich zu verbessern? In Europa haben wir die Situation in Jugoslawien. Und trotzdem f\u00fchle ich mich nicht verzweifelt. Ich will nicht an den Menschen verzweifeln.<\/p>\n<p>CLAUDIA: Doch manchmal scheint es so, wenn ich mir die Texte anh\u00f6re. Und in &#8222;It Makes My Heart Stop Speaking&#8220; von &#8217;89 singt ihr, da\u00df &#8222;ihr Hymnen f\u00fcr das Volk schreiben wolltet&#8220;, doch da\u00df zu guter Letzt Eure Botschaften unbemerkt verhallten.<br \/>\nSTEVE: Es gibt keinen Zweifel, da\u00df ich Mike Jones f\u00fcr eine interessante Pers\u00f6nlichkeit halte, denn so wie er im Leben ist, so denkt er auch \u00fcber die Welt. Wenn man ihn auf die Probe stellt, wenn man ihn bedr\u00e4ngt und fragt was er denkt, dann bekommt man Verzweiflung und Pessimismus zu h\u00f6ren. Doch wenn man ihn wirklich kennt, dann ist er eigentlich sehr humorvoll, sehr lustig, sehr geistvoll und das ist der Konflikt. Selbst bei einem Text wie &#8222;It Makes My Heart Stop Speaking&#8220; bekommt man am Ende eine Melodie zustande, die wirklich stark und so kraftvoll ist, da\u00df man sich fragen kann, wo ist da Verzweiflung? Oder nimm &#8222;Like A Miracle&#8220;, das wieder auf die zynischste Art beginnt; der Text ist ausgezeichnet; &#8222;Der Wein, den du versch\u00fcttest;, das Brot, das du stiehlst\u2026 Es ist ein Wunder von der Krippe zum Schlachthaus&#8220;. Doch wenn du dich auf die Musik und die Gospels\u00e4nger konzentrierst, wird alles anders. Du hast zwei Dinge: Die Verzweiflung und die Freude, die Ohnmacht und die Lebensenergie. Das mag ich an dem Album. &#8222;Come Down And Pray&#8220;, ist mein Lieblingstext, der besagt: &#8222;Ich gebe auf. Ich gebe es auf die Welt zu verstehen, ich gebe den Sozialismus auf, ich gebe auf\u2026&#8220; Und doch ist so viel Humor im Text.<\/p>\n<p>CLAUDIA: &#8222;Come Down To Pray&#8220; ist das das letzte\u2026<br \/>\nSTEVE: Ja, so weit sind wir gekommen. Es ist ein Witz. Aber wie alle Witze hat es einen wahren Kern. Die Hauptaussage des Songs ist humorvoll zu verstehen. Er (der S\u00e4nger) verwendet all diese lustigen Vorstellungen wie Jean Paul Sartre und Simone de Beauvoir, die zu dem Schlu\u00df kommen, da\u00df man das Denken besser den V\u00f6geln \u00fcberlassen sollte. Das w\u00fcrde hei\u00dfen das Denken aufzugeben. Doch der dritte Vers enth\u00e4lt die Schl\u00fcsselzeile &#8222;es gibt eine schwache Hoffnung an die wir uns klammern, da\u00df die Schlechtesten von uns bezahlen werden.&#8220; Mit anderen Worten, da\u00df es irgendwie eine Moral gibt, irgendwie Leute, die schuldig sind anderen Leuten gegen\u00fcber \u00dcbles begangen zu haben irgendwie\u2026 es wird eine Moral geben, die sich mit ihnen befa\u00dft.<\/p>\n<p>CLAUDIA: Cloud Nine scheint eine deutsche Firma zu sein. Hattet ihr in all den Jahren in Deutschland mehr Erfolg als in England? Wenn ja &#8211; was m\u00f6gen nach Deiner Meinung die Gr\u00fcnde sein?<br \/>\nSTEVE: Nicht immer aber sicher seit 1986. Es ist sehr schwer in England\u2026 Warum wir mehr Erfolg in Deutschland hatten, kann ich nicht genau sagen. Doch teilweise deshalb weil wir anfangs sehr uneinheitlich waren. In England wurden unsere ersten drei Singles von drei verschiedenen Leuten gesungen. Aus sehr einleuchtenden Gr\u00fcnden wu\u00dften die Leute nie wer wir waren. Sie glaubten wir seien drei verschiedene Bands: &#8222;New Millionaires&#8220;, &#8222;Radio Africa&#8220; und &#8222;Toulouse&#8220; waren ganz unterschiedliche Songs. Doch England wird auch sehr von Trends und Images beherrscht. Und ich denke, da\u00df wir kein ausreichend starkes Image hatten, um die Aufmerksamkeit der englischen Presse zu erregen. MODERN TIMES erhielt gute Kritiken, &#8222;Radio Africa&#8220; war ein Hit &#8211; aber wir hielten uns immer irgendwie ausserhalb auf. Wir wurden nie zu einer Band von der die Leute dachten, da\u00df sie eine wichtige Rockband f\u00fcr die britische Kultur sei. Es passierte einfach nicht f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>\u00a9 GOOD TIMES, AUSGABE NR. 10, M\u00c4RZ 1994.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Claudia Wedeleit Latin Quarter mit neuer CD auf Deutschland Tour. Mit neuen Liedern und einer neuen Band versuchen Steve Skaith und Richard Wright wieder den Anschlu\u00df zu finden. Claudia Wedeleit unterhielt sich mit S\u00e4nger und Autor STEVE SKAITH. 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