{"id":1292,"date":"2001-05-07T18:21:59","date_gmt":"2001-05-07T17:21:59","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost\/lqmusic-wp\/unkategorisiert\/mike-jones-on-songwriting-and-the-music-industry\/"},"modified":"2021-08-28T01:28:14","modified_gmt":"2021-08-28T00:28:14","slug":"mike-jones-latin-quarter-schreiben-liedtexte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.latinquartermusic.com\/de\/neu\/interviews\/mike-jones-latin-quarter-schreiben-liedtexte\/","title":{"rendered":"Mike Jones \u00fcber Latin Quarter und Schreiben der Liedtexte"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor vier Jahren ver\u00f6ffentlichten Latin Quarter ihr letztes Studioalbum, &#8218;Bringing Rosa Home&#8216;. Obwohl das Album ausgezeichnete Kritiken in Europa erhielt, beschlossen die restlichen drei Bandmitglieder Steve Skaith, Mike Jones und Richard Wright aufzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch, alles andere als entmutigt durch seine Latin Quarter-Erfahrung, ist Steve Skaith auf dem besten Weg sein erstes Soloalbum zu beenden. Das Album enth\u00e4lt vier neue Songs mit Texten von Mike Jones, der jetzt einen Kurs \u00fcber die Musikindustrie am ber\u00fchmten Institut f\u00fcr popul\u00e4re Musik an der Universit\u00e4t von Liverpool leitet. Wir sprachen mit Mike Jones \u00fcber sein Songwriting und seine Erfahrungen mit Latin Quarter.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was beinhaltet Deine Funktion am Institut f\u00fcr Popul\u00e4re Musik an der Universit\u00e4t von Liverpool?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin Kursdirektor f\u00fcr MBA &#8211; Fachrichtung Musikindustrie. MBA steht f\u00fcr \u201eMaster in Business Administration&#8220; und diese Abschl\u00fcsse sind, im wesentlichen, ein Ph\u00e4nomen der 80er Jahre (obwohl es sie schon seit ungef\u00e4hr 70 Jahren gibt). Es ist schon eine \u00b4massive` Ironie, das ich einmal einen Abschlu\u00df organisieren w\u00fcrde, der seinen Ursprung in der Zeit von Thatcher und Reagan in den 80er Jahren hat. Dies war die \u00c4ra, als die Konservativen f\u00fcr \u00b4Es ist ein Managerrecht zu managen` k\u00e4mpften &#8211; vielmehr war es eine Reaktion gegen die Gewerkschaftsbewegung (nicht das die USA viel davon hatten!). Ich denke gewi\u00df nicht das ich \u00b4die Seiten gewechselt` habe. Es ist eher mein Ziel, Menschen die in der Musikindustrie Karriere machen wollen (sofern sie es ernst damit meinen) zu \u00b4bevollm\u00e4chtigen` (mit der Hoffnung), dass sie ihrerseits die K\u00fcnstler mit soviel R\u00fccksichtnahme wie m\u00f6glich behandeln. Meine Doktorarbeit in Philosophie war mein Versuch, dem was mit Latin Quarter geschehen war, einen Sinn zu geben. Ich glaube es ist wirklich der Fall, dass uns die A&amp;R-Abteilungen (= eine Art K\u00fcnstleragentur) mochten und die Marketing-Abteilungen uns einfach nur nicht verstanden &#8211; ich denke die Erfahrung mit SPV ist genau das. Keiner hatte sich wirklich Gedanken dar\u00fcber gemacht, wie man f\u00fcr das Album wirbt oder es richtig vermarktet. Mein Unterrichten ist auf dieser Perspektive aufgebaut. Manchmal kann es eine Belastung sein &#8211; dann glaube ich, dass ich immer noch davon leben mu\u00df, Platten zu machen die sich nicht verkaufen! Aber es ist ein guter Job und \u00fcberwiegend eine positive Erfahrung f\u00fcr mich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Deinem Interview mit Consumable warst Du nicht sehr zufrieden mit dem was Latin Quarter erreichten. Haben Dir die Ausf\u00fchrungen von John Davis bewu\u00dfter gemacht, welche Wirkung Latin Quarter&#8217;s Musik bei den Leuten gehabt hat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich war sehr, sehr deprimiert zur Zeit dieses Interviews. Und ja, Menschen zu treffen &#8211; die zu sch\u00e4tzen wissen was wir taten &#8211; ist sehr ermutigend. Manchmal habe ich die LQ-Erfahrung fast wie einen Alptraum empfunden &#8211; man konnte rufen, sogar schreien und wurde nicht geh\u00f6rt. Es gibt die bizarrsten Beispiele von LQ, wobei sie aus der Geschichte heraus geschrieben wurden &#8211; nicht vors\u00e4tzlich oder mit Absicht, aber irgendwie sind wir einfach \u00fcbersehen worden. Das beste Beispiel daf\u00fcr war ein Buch \u00fcber die Geschichte des Glastonbury-Festivals. Im Programmablauf f\u00fcr die Hauptb\u00fchne 1986 sind John Martyn (welcher vor uns auf der B\u00fchne war) und all die anderen die damals sonst noch dabei waren erw\u00e4hnt worden &#8211; jedoch nicht Latin Quarter, aber es gibt Bilder von uns auf der B\u00fchne, jedoch ohne Bildunterschriften! Das k\u00fcrzliche Mandela-Konzert am Trafalgar Square war auch bemerkenswert. Welcher andere britische K\u00fcnstler hat noch drei Anti-Apartheid-Singles ver\u00f6ffentlicht &#8211; aber schon wieder, keiner Erw\u00e4hnung! Statt dessen bekamen Leute wie Dave Stewart von den Eurythmics, der \u00fcberhaupt nichts machte, (wenigstens soweit ich mich erinnern kann) eine Schlagzeile mit R.E.M. Ich wei\u00df dies klingt sehr negativ und ich mag es nicht so zu sprechen, aber dennoch finde ich die ganze Vernachl\u00e4ssigung von LQ komplett verwirrend &#8211; schlie\u00dflich haben wir sieben Alben und eine Hit-Single ver\u00f6ffentlicht! Dennoch ist es ein echter Auftrieb gewesen zu entdecken das einige Leute zuh\u00f6rten, es ihnen gefallen hat und sie &#8218;abgekriegt haben&#8216; was wir machten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als Du angefangen hast Songtexte zu schreiben, hast Du da jemals in Erw\u00e4gung gezogen im Auftrag eines Musikverlegers zu arbeiten um Deine Texte aufzunehmen zu lassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich noch zur Schule ging spielte ich in zwei Folkbands. Ich spielte Schlaginstrumente und sang im Chor (!) &#8211; zu dieser Zeit begann ich Songs zu schreiben. Und sie wurden dann sogar Songs; Ich wollte mir die Melodien selbst vorsingen und den Text um die Melodie strukturieren. Weil ich mir einfach nicht die Zeit genommen habe (und kein Instrument spielte) vermute ich, dass meine Lieder dazu neigten in einer Tonart zu bleiben (was ihre Musikalit\u00e4t begrenzte!). Als ich die Schule verlie\u00df stand f\u00fcr mich fest das ich Texter werden wollte. Ich wu\u00dfte das ich schreiben konnte, aber ich wu\u00dfte auch, dass ich kein S\u00e4nger war und nie ein Gitarrist sein w\u00fcrde &#8211; ich scheine einfach unf\u00e4hig zu sein mit mechanischen Aufgaben jeglicher Art fertig zu werden, meine ganze Geschicklichkeit ist in meinem Kopf! Einst, nachdem ich die Schule verlassen hatte, wurde mir klar wie unm\u00f6glich es war einen Verleger davon \u00fcberzeugen zu k\u00f6nnen, dass ich einen guten Mitarbeiter f\u00fcr einen Komponisten abgeben w\u00fcrde &#8211; Bernie Taupin machte es als Texter, aber wer sonst noch in der Rock-\u00c4ra? Und was erwartete ich zu schreiben? Das ich Steve begegnete war ein kompletter Dusel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Als Du und Steve Skaith angefangen habt zu schreiben, war da irgendeine Versuchung eher nur \u00fcber lokal-politische und soziale Streitfragen als \u00fcber globale zu schreiben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es w\u00fcrde jetzt zu lange dauern zu versuchen die Art der Politik die wir damals hatten zu erkl\u00e4ren, besonders s\u00e4mtliche Kompliziertheiten des britischen Marxismus. Ich nehme an, es w\u00e4re leicht zu sagen, das es unsere Politik war, \u00fcberall das Wesentliche aus jeder Einzelheit herauszufinden, welches aber genau das ist, was gutes Songtexte schreiben ausmacht. Nimm &#8218;Levi Stubbs Tears&#8216; von Billy Bragg oder &#8218;Waterloo-Sunset&#8216; von den Kinks &#8211; das eine handelt von h\u00e4uslicher Gewalt und das andere von Einsamkeit und Entfremdung. Aus den H\u00e4nden der meisten linksgerichteten\/sozial- tendierenden Schriftsteller w\u00fcrden diese Lieder gr\u00e4\u00dflich sein, aber sowohl Bragg als auch Ray Davies richten unsere Aufmerksamkeit auf ein besonderes Erlebnis, von denen manche sehr allgemeine gesellschaftliche Ph\u00e4nomene sind. Wenn wir uns in ein besonderes Individuum einf\u00fchlen, f\u00fchlen wir uns auch in seine Verfassung ein. In unserer speziellen marxistischen Gruppe zentrierte sich unsere Politik rund um die Erkenntnis, dass die soziale, wirtschaftliche und ideologische Steuerung der Gesellschaft im Kapitalismus aus ebenso vielen besonderen Erfahrungen von Unterdr\u00fcckung gemacht ist, wie es Menschen gibt die unterdr\u00fcckt werden. Wir versuchten immer konkrete politische K\u00e4mpfe zu verallgemeinern. Steve und ich \u00fcbertrugen einfach diese Perspektive und Praxis in unser Songschreiben; dies war unsere Art.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es ist \u00fcberraschend, das Du in den Jahren vor der Gr\u00fcndung von Latin Quarter nie gelernt hast irgendein Instrument zu spielen, war es deshalb, weil das Texte schreiben Deine ganze Zeit in Anspruch genommen hat?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>NAAAHHH!!! Ich kann kein Auto fahren, nicht schwimmen, kann knapp einen Stecker wechseln, besa\u00df eine schreckliche Wohnungseinrichtung und hatte Heimwerkerungl\u00fccke &#8211; la\u00df mich deshalb um Gottes willen nicht in die N\u00e4he von Selbst-Bau M\u00f6beln! In den letzten zwanzig Jahren habe ich zwei Doktorarbeiten in Philosophie und 250 Lieder geschrieben. Ich kann vor einem leeren Blatt Papier sitzen und anfangen komplexe Argumente zu entwirren (&#8218;La\u00df uns anfangen diese Argumente auseinanderzunehmen &#8230;&#8216;) &#8211; aber Musikinstrumente, vergi\u00df es!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Obwohl Deine Texte von Musikkritikern gelobt wurden, ist es richtig zu sagen, dass niemand Deine Texte mehr sch\u00e4tzt als Steve Skaith?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Steve und ich hatten die gleichen Ansichten, was dann das Songschreiben die meiste Zeit ziemlich m\u00fchelos machte. Ich habe auch mit ein oder zwei anderen Leuten zusammengearbeitet, aber meistens k\u00f6nnen die anderen Songwriter meine Methode einfach nicht verstehen. Erst k\u00fcrzlich begann ich an mir als Songwriter zu zweifeln. Letzten Endes glaube ich, dass ich Steve unter unglaublichen Druck setzte. Neulich h\u00f6rte ich mir einen LQ-Livemitschnitt an. Meistens waren unsere Konzerte gro\u00dfartig, aber sie waren auch immer angespannte Ereignisse. Da Steve naturgem\u00e4\u00df kein Darsteller ist, ist er ist auch kein &#8218;Angeber&#8216; und ich denke er leidet auch unter Lampenfieber. Trotzdem machte er einen gro\u00dfartigen Job, aber h\u00f6r dir das Band an, ich konnte Lied f\u00fcr Lied h\u00f6ren, wie der gewisse &#8218;Flu\u00df&#8216; zu fehlen schien &#8211; vieles davon ist auf die Texte zur\u00fcckzuf\u00fchren (oder zumindest genauso viel auf die Texte wie auch auf das musikalischen Arrangement).<\/p>\n\n\n\n<p>Weil ich letzten Endes zu einem Takt schreibe, sind meine Texte metrisch genau. Wenn es sechzehn Silben in Zeile drei von Vers eins gibt, wird es auch sechzehn Silben in Zeile drei von Vers vier geben &#8211; und alle Betonungen werden an genau der gleichen Stelle fallen, jede entsprechende Zeile skandiert identisch. Desweiteren ist jedes Wort &#8218;wertvoll&#8216;; jedes tr\u00e4gt etwas zu einer umfassenden Erz\u00e4hlung bei. So betrachtet k\u00f6nnten meine Texte \u00b4reich` sein, aber ich glaube nicht, dass sie es Steve leichter machten zu singen oder aufzutreten. Auf dem Live-Band war ich beeindruckt von &#8218;The Big Pool&#8216; (zum Beispiel), es schien einfach zu mi\u00dflingen, sich selbst abzuspulen. Heutzutage gibt es eine Menge (haupts\u00e4chlich US) Soft-Rock-Bands &#8211; wie &#8218;Hootie and the Blowfish&#8216; und diese Art von Bands. In gewisser Hinsicht ist das auch unser Genre, aber wir schrieben niemals diese gro\u00dfen, weit-offenen Lieder &#8211; und ich denke, dass das haupts\u00e4chlich an mir und meinem Schreibstil liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei Steve als Texter beteiligt ist, ist er au\u00dfergew\u00f6hnlich gut &#8211; aber er war niemals besonders produktiv und er konnte auch sehr ungleichm\u00e4\u00dfig sein. Fantastische Songs wie z.B. &#8218;No RopeAs Long As Time&#8216; waren Seite an Seite mit entweder sehr wirkungsvollen Songs oder schw\u00e4cherem Material. Zu seinen besten St\u00fccken geh\u00f6rt z.B. &#8218;Branded&#8216; &#8211; ein gro\u00dfartiger Song. Ich bin sicher das er mich sch\u00e4tzte, aber ich wette, er f\u00fchlte sich die meiste Zeit gefesselt!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Welche denkst Du, sind ist die besten Latin Quarter Songs an denen Du mitgeschrieben hast?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schwierig, sehr schwierig. Es ist leichter es chronologisch zu betrachten. Es gibt einige grandiose Songs auf &#8218;Modern Times&#8216;. &#8218;Mick and Caroline&#8216; war eine sehr bedr\u00fcckende Erfahrung. Niemand mochte oder wollte dieses Album (obwohl es so gute Songs wie &#8218;Negotiating&#8216; und &#8218;The Men Below&#8216; enth\u00e4lt). Das wir bei RCA unterzeichneten, schien ein echter Gl\u00fccksfall f\u00fcr uns zu sein und ich bin stolz auf alle Songs von &#8218;Swimming&#8230;&#8216; &#8211; und doch wurde dieser Deal zur H\u00f6lle. Wir wurden echt unter Druck gesetzt als wir bei RCA-Deutschland unterschrieben, daher auch der schwache Kompromi\u00df von &#8218;Nothing Like Velvet&#8216; (sch\u00f6n es aber trotzdem zu haben!). Aber &#8218;Long Pig&#8216; &#8211; bei diesem Album w\u00fcrde ich kein einziges Wort \u00e4ndern. Ich denke diese Texte sind die Besten die ich jemals schrieb. Und das dieses Album auch den Bach runter ging, nun ja &#8211; davon habe ich mich bis heute nicht wieder erholt. Ich habe mich zweimal wieder aufgerappelt &#8211; einmal nach &#8218;Swimming&#8216; und einmal nach &#8218;Long Pig&#8216;, aber noch einmal k\u00f6nnte und kann ich dies nicht tun. Die meisten Texte auf &#8218;Bringing Rosa Home&#8216; sind alte. Von den Neuen h\u00e4tten wir gewi\u00df noch einen besseren als &#8218;Help is on its way&#8216; gehabt. Meine Anmerkungen auf der Radio Africa Website zeigen ziemlich gut, das wir von dem guten Material zwar Demo&#8217;s gemacht haben, es aber niemals auf Platte aufnahmen. Dann gibt es noch einige Texte die ich besonders mag, aber f\u00fcr die Steve nichts komponieren konnte. Es gibt auch ein paar Songs die ich mit anderen Leuten gemacht habe und die gut waren. Aber meine &#8218;Desert Island&#8216; Textsammlung wollte definitiv &#8218;Long Pig&#8216; sein. Es ist eine gro\u00dfe Schande, dass wir bei diesem Album so viele finanzielle Kompromisse eingehen mu\u00dften, da es mit einem echten Rhythmusteil wirklich phantastisch geklungen h\u00e4tte. Steve und Richard machten unter diesen Umst\u00e4nden einen gro\u00dfartigen Job, aber die &#8218;drum machine&#8216; lie\u00df die Sachen zu starr, unpers\u00f6nlich und letzten Endes &#8218;klein&#8216; bleiben, obwohl die Songs riesig sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Du hast die Texte zu ungef\u00e4hr 250 Liedern geschrieben, von denen wir viele noch nie geh\u00f6rt haben. Gibt es bei den unver\u00f6ffentlichten Texten welche, die Du gerne aufgenommen h\u00e4ttest, um deine Sicht der Dinge darzulegen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt bestimmt Texte, von denen ich denke sie h\u00e4tten zu Songs werden m\u00fcssen und es gibt auch Songs von denen ich gerne Platten gemacht h\u00e4tte. Unsere beste Strategie w\u00e4re gewesen, eine Serie von EP&#8217;s (=Platte oder CD mit 4 Titeln) zu ver\u00f6ffentlichen. Diesen Standpunkt vertrat ich auch in zwei Interviews, die aber nie ver\u00f6ffentlicht wurden &#8211; bei &#8218;The Hit&#8216;, einer nur kurzzeitig erschienenen Musikzeitschrift und &#8218;The Guardian&#8216; (einer britischen Tageszeitung). Zum Beispiel h\u00e4tten wir eine &#8218;Mittelamerika&#8216;- EP zur Zeit der Sandinista-Wahlen herausbringen k\u00f6nnen, wir hatten mehrere Lieder die zu diesem Thema pa\u00dften. Wir waren aber eingespannt in den \u00fcblichen &#8218;Schreiben-Aufnehmen-Promoten-Touren&#8216; Zyklus &#8211; nur leider ohne den Erfolg, der uns mehr Kraft und Flexibilit\u00e4t h\u00e4tte geben k\u00f6nnen (aber nur &#8218;h\u00e4tte geben k\u00f6nnen&#8216; &#8211; siehe George Michael).<\/p>\n\n\n\n<p>Wir konnten nie der &#8218;Troubadour&#8216; sein, der Billy Bragg war, oder die Tantiemen und Verkaufszahlen genie\u00dfen die Elvis Costello \u00fcber Wasser halten und ihn experimentieren lassen. Au\u00dferdem sind Steve und ich zwei verschiedene Menschen. Bei verschiedenen Punkten waren wir beide wirklich unzufrieden miteinander, und zwei Leute k\u00f6nnen nie genau so schnell auf Ereignisse reagieren wie es eine Person kann.Ich glaube, dass ich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel meiner Zeit damit verbrachte, \u00fcber &#8218;Streitfragen&#8216; zu schreiben. Der Standpunkt, den ich im &#8218;Consumable&#8216;- Interview vertrete, gilt noch &#8211; ich fing an mich wie ein &#8218;Krankenwagen-J\u00e4ger&#8216; zu f\u00fchlen. Ich erinnere mich auch an jemanden, der sich nach einem Auftritt in Deutschland bei mir beschwerte, weil ich nichts \u00fcber Pal\u00e4stina geschrieben hatte. Ich kann mich erinnern und denke &#8218;Ja, das ist wahr, ich wundere mich warum ich das nicht gemacht habe?&#8216; und dann denke ich &#8218;Wer zum Teufel bin ich, warum soll ich mir all diese Pop-Songs \u00fcber ernste und komplizierte Themen ausdenken?&#8216;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es irgendeinen Text den Du bereust geschrieben zu haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Klassiker ist &#8218;Model Son&#8216;. Ich hatte eine ziemlich d\u00fcrftige Beziehung zu meinem Vater, aber er war stolz auf und begeistert von Latin Quarter. Dies zu h\u00f6ren, mu\u00df f\u00fcr ihn ziemlich vernichtend gewesen sein &#8211; aber es ist ein so brillanter Song, den konnten wir auf dem Album einfach nicht weglassen. Der Song \u00fcber den ich am meisten ver\u00e4rgert bin ist &#8218;One Fell Swoop&#8216;. Dieser h\u00e4tte wirklich auf &#8218;Mick and Caroline&#8216; sein sollen. Der Hintergrund ist viel zu komplex um auf ihn einzugehen, aber als Fu\u00dfballfan, der zu dieser Zeit in Liverpool wohnte und der sich die Spiele von Liverpool regelm\u00e4\u00dfig anschaute, (obwohl ich auch die &#8218;Spurs&#8216; unterst\u00fctze), war ich angewidert (und bleibe angewidert) von der Brutalit\u00e4t der Liverpool-Fans bei diesem Spiel. Dennoch machte ich die Liverpooler in dem Text zu Opfern!! Es war politische und pers\u00f6nliche Feigheit und ich sch\u00e4me mich deswegen noch immer.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Noch eine Bemerkung zu &#8218;Mick und Caroline&#8216;. Ein Kritiker behauptete, Deine Texte h\u00e4tten sich seit &#8218;Modern Times&#8216; nicht weiterentwickelt, war dies eine angemessene Kritik?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gib mir seine Adresse!!! Das ist &#8218;Bullshit&#8216;. Was soll das hei\u00dfen? Warum sollten sie sich entwickelt haben? Interessant ist eigentlich, dass ich mich wahrscheinlich nie entwickelt habe. In gewisser Hinsicht ist Rocktexte schreiben ein Genre. Genre entstehen nicht in vollendeter Form. Das Schreiben von Rockmusik entwickelte sich, \u00fcberwiegend durch Bob Dylan&#8217;s Wunsch die Beatles zu sein und dem Wunsch der Beatles, Bob Dylan zu sein. Dylan&#8217;s lyrischer Stil hat sich seit 1968 (nach &#8218;John Wesley Harding&#8216;) kaum ver\u00e4ndert, sein Gesangsstil ver\u00e4ndert sich, wie auch seine Weltanschauung (z.B. &#8218;Born Again Christian&#8216; war gleich auf zwei Platten). Einst hatten (haupts\u00e4chlich, aber nicht nur) Dylan und die Beatles neue Ausdrucksformen kreiert und gefestigt &#8211; so entstand eine neue Art von lyrischer Sensibilit\u00e4t. Verschiedene Leute konzentrierten sich h\u00e4ufig mehr auf die Suche nach neuen Stimmen als auf die Entwicklung des Rock, der sich einst etabliert hatte. So haben wir (zum Beispiel) Morrisey&#8217;s fantastischen &#8218;dichterischen Provinzialismus&#8216; &#8211; bis er etwas zu nah an den Nationalismus segelte, eingebettet in Kleinstadt-Perspektiven, das Zeug von Tom Waits and Rickie Lee Jones Boho (eine Art Beat-Generations-Stil) und Michael Stipe&#8217;s Anspielungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich fange an mich von Bono zu erholen (und kann Sting nicht ausstehen). Joni Mitchell war ein Genie, aber eventuell gingen ihr schlie\u00dflich die ausdrucksvollen Ideen aus. Randy Newman, brillant aber alles andere als produktiv. Hip-Hop-ziemlich bemerkenswert, und fast alles was sich da sonst noch so in zwei aufeinanderfolgenden Zeilen reimt (Entwicklung nicht unbedingt n\u00f6tig). So, wer &#8218;entwickelt&#8216; sich nun textlich? Tim Buckley war wohl der \u00fcberraschendste Autor, was seine Bereitschaft musikalische und lyrische Risiken einzugehen anbetrifft. Mir fallen sp\u00e4ter wahrscheinlich auch noch andere Leute ein &#8211; Bjork zum Beispiel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8218;Dominion&#8216; wurde speziell f\u00fcr eine Fernsehserie \u00fcber illegalen Tierhandel geschrieben, hat Dir diese Herausforderung gefallen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ja, sehr, weil es eine Herausforderung war. Die Bilder (besonders in der ersten Sendung) waren so bedr\u00fcckend und grausam, so dass sie ein krasses Beispiel daf\u00fcr waren, was Macht (\u00b4Herrschaft` = \u00b4Dominion` wenn du willst) so alles sein kann &#8211; n\u00e4mlich das Verlangen und die F\u00e4higkeit \u00fcberhaupt irgendeine Gier zu befriedigen, aber auf Kosten eines anderen Lebewesens. In gewisser Hinsicht stellt der Gebrauch der Kategorien &#8218;Raubtiere&#8216;, &#8218;Affen&#8216; usw. &#8211; irgendwie die W\u00fcrde der unterdr\u00fcckten und ermordeten Gesch\u00f6pfe wieder her &#8211; aber dies sind nat\u00fcrlich menschliche Klassifizierungsbezeichnungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Titel &#8218;Wounded In Action&#8216; ist in der Tat ungew\u00f6hnlich, da Du die Musik zu diesem Lied geschrieben hast, wie kam es dazu?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie ich schon sagte, alles was ich geschrieben habe, schrieb ich zu einer Melodie. Manchmal beschlo\u00df ich das meine Melodie nicht ver\u00e4ndert werden sollte, da sie so stark war . Cora&#8216; und &#8218;Eddie&#8216; waren im wesentlichen auch meine Melodien. Fast ausnahmslos schrieb Steve eine weitaus bessere Melodie als mein Original &#8211; &#8218;Amerika For Beginners&#8216; ist das absolut beste Beispiel daf\u00fcr, aber da gab es auch noch eine Menge weiterer Beispiele, bei denen seine Version eindrucksvoller war als meine.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Deinem Interview mit Consumable hast Du von Deinem Frust dar\u00fcber gesprochen, dass Du alles \u00fcber Steve Skaith und Richard Wright filtern lassen mu\u00dftest. War dies, weil die guten Texte nicht benutzt wurden, da ihr Stil nicht in den Zusammenhang des Albums pa\u00dfte, an dem sie zu dieser Zeit arbeiteten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dass diese Bemerkung teilweise ein Produkt der Zeit war. Ich konnte mich einfach nicht mit dem Mi\u00dferfolg von &#8218;Long Pig&#8216; abfinden und mein pers\u00f6nliches Leben war gerade in einer Umbruchphase. Ich hatte begonnen mein eigenes Leben zu leben, dies bedeutete eine neue Hypothek, bedeutete eine Arbeit zu finden und die Arbeit die ich dann begann fand ich komplett demoralisierend. Ich schrieb die Dr.phil.- Arbeit und diese Art von Arbeit kann wirklich stressig sein und es besch\u00e4ftigte mich die Zeit der Arbeitslosigkeit (welche mich irgendwie niedermetzelte). Im Grunde genommen hatte ich wenig Zeit oder Energie Texte zu schreiben. Inzwischen war es f\u00fcr Steve und Richard ein &#8218;Gesch\u00e4ft wie gew\u00f6hnlich&#8216;, einen Plattenvertrag finden, ein Album machen &#8211; abgesehen davon war mein &#8218;Flie\u00dfband&#8216; abgeschaltet (ich habe seit 6 Jahren nichts Neues mehr geschrieben, ich glaube wirklich nicht das ich noch mehr schreiben kann und ich kann mich nicht erinnern wie es war diese Person zu sein).<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz allem gab es viele Texte, aber ich glaube, Steve war weniger inspiriert als fr\u00fcher. Wir hatten Streit bei verschiedenen Songs &#8211; besonders bei einem, &#8218;Little Buddy&#8216;, welcher mein Kommentar auf die Ermordung von Jamie Bulger war. Ich habe seine Behandlung wirklich geha\u00dft (zum Teil \u00fcberarbeitete er die &#8222;urspr\u00fcngliche&#8220; Latin Quarter Version) und ich fand meine Version weiterhin viel besser. Unsere Umst\u00e4nde h\u00e4tten bei diesem Punkt nicht verschiedener sein k\u00f6nnen. Er konnte dennoch Spa\u00df daran haben mit einigen gro\u00dfartigen Musikern zu spielen. Ich war isoliert.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel schlimmer war aber eigentlich dieses Syndrom, das so um 1995\/96 mehrmals auftrat. Manchmal forderte Steve mich auf, einen begonnen Text fertig zu schreiben. Doch w\u00e4hrend ich irgendwie versuchte, die Zeit zum Schreiben zu finden, bastelte er an dem Arrangement oder der Melodie des Originaltracks herum. Da ich so pr\u00e4zise schreibe, wollte mein neuer Text aber nicht so recht auf seine neue Version passen (w\u00e4hrend ich mit einem Tape der fr\u00fcheren Version arbeitete). Ich hatte die Schnauze voll, er war frustriert und den Song konnten wir vergessen. Wir einigten uns dann schlie\u00dflich und es endete damit, dass ich eine unbefriedigende \u00dcberarbeitung nach der anderen machen musste oder aber, was noch viel schlimmer war, Songs aus seinen und meinen Texten zusammenschusterte. Ich glaube das sich Texte entfalten und entwickeln sollten, so da\u00df sich die emotionale Kraft der anf\u00e4nglichen Beobachtung zu einer Art H\u00f6hepunkt entwickelt. Ich hasste diese Flickwerk-Texte mehr als alles andere. Wahrscheinlich kam das gar nicht so oft vor (es h\u00e4tte schon mit &#8218;Burn Again&#8216; auf &#8218;Mick And Caroline&#8216; passieren sollen, welches ich schon immer geha\u00dft habe), aber da ich emotional ohnehin ziemlich angeschlagen war, hatte ich das Gef\u00fchl, dass es \u00f6fter passierte, als ich ertragen konnte. Ich glaube auch, dass alle LQ-Alben Kompromisse waren, sie es sein mussten, aber ich hatte es satt miteinbezogen zu sein. Ich wollte einfach nur einmal h\u00f6ren, wie sich zw\u00f6lf meiner Songs anh\u00f6ren, und zwar als meine Songs. Songs, die so gespielt werden, wie ich mir das vorstelle, mit den Sequenzen, die mir vorschweben und mit einer auf meine pers\u00f6nlichen Vorstellungen abgestimmten Promotion. Eigentlich kein besonders abwegiger Wunsch, wenn man mal dar\u00fcber nachdenkt. Steve und Richard haben mir nie geschadet, im Gegenteil , aber musikalisch war ich ein blinder Mann und sie waren meine Augen. Ich wollte einfach wissen, wie es sein w\u00fcrde, einmal f\u00fcr mich selbst zu sehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hast Du noch f\u00fcr andere, au\u00dfer Latin Quarter, Texte geschrieben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist ein so unerfreuliches Thema. Ich f\u00fcrchte, ich habe mir niemals eingestanden, wie viel Latin Quarter mir bedeutet hat. In gewissen Weise war ich in einer sehr privilegierten Position (von meinem \u00c4rger mal abgesehen). In der Tat waren alle (Band, Manager, Plattenfirma) von den Songs, die Steve und ich schrieben, inspiriert, und Steve lie\u00df sich von dem, was ich ihm schickte, inspirieren. Also war ich ganz am Anfang der Kette. F\u00fcr alle anderen aber wurde ich zu einem unbedeutenderen Teil dieser Kette &#8211; man darf dabei nicht vergessen, dass wir, abgesehen von dem Erfolg, den wir mit \u201eRadio Africa&#8220; hatten, ein v\u00f6llig unbeschriebenes Blatt waren. Es gab und gibt in Gro\u00dfbritannien nicht einen einzigen Songwriter, der mich bewerten kann, der mich \u00fcberhaupt kennt. Ganz sicher kam keiner jemals auf die Idee, mit mir zusammen zu arbeiten. Folglich gab es f\u00fcr mich nur wenige und selten Chancen mit jemand anderem zusammen zu schreiben; und wenn es dann einmal dazu kam, machte es auch keine gro\u00dfen Schlagzeilen, weil die meisten Leute die ganze Sache einfach nicht verstanden. Irgendwann habe ich einmal eine ganze Reihe Songs zusammen mit Greg und Yona geschrieben, aber abgesehen davon, dass sie wirklich gut waren, ist daraus nichts weiter geworden. Abgesehen davon verliefen die meisten Experimente im Sande, weil die meisten Songwriter einfach innerhalb ihrer \u201evertrauten Umgebung&#8220; bleiben, oder ganz einfach, weil die Texte das sind, wor\u00fcber sie sich die wenigsten Gedanken machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sag es noch einmal, ich glaube inzwischen, dass ich gar nicht so ein herausragender Songwriter war (was allerdings nicht hei\u00dfen soll, dass ich keine guten Textzeilen schreiben konnte, oder starke Bilder kreieren konnte). Ich m\u00f6chte die Menschen, die das was ich geschrieben habe m\u00f6gen, nicht entt\u00e4uschen, denn das w\u00e4re respektlos, aber heute habe ich das Gef\u00fchl, dass meine Texte entweder zu anspruchsvoll waren, oder dass sie der Musik, oder den Musikern zu wenig Freiraum lie\u00dfen. Dylan hat sich in seiner anspruchvollsten Phase (z. B. \u201eBringing it all Back Home&#8220;, \u201eHighway 61&#8243; oder \u201eBlonde on Blonde&#8220;) ohne Zweifel viel anspruchsvollerer und verworrenerer Texte bedient &#8211; aber die geballte Kraft seiner besten Songs kam durch die Refrains zu Stande, und nicht durch die Art, wie er Verse und \u201eBridges&#8220; [Zwischenteile] miteinander verbunden hat &#8211; was bei mir die Elemente waren, auf die ich besonderen Wert legte. H\u00f6rt Euch \u201eSad-Eyes Lady of the Lowlands&#8220; an &#8211; seine emotionale Kraft (die offensichtlich zum Teil durch den Text hervorgerufen wird) geht voll in den Refrain \u00fcber. Jede Strophe ist eine Reihe von Impressionen. Folglich kann er seinen Song selbst weiter interpretieren. All meine Texte sind kurze, linear erz\u00e4hlende Filme. Daher wurden die Songs von Latin Quarter, sobald sie einmal geschrieben waren, unflexibel, und daher r\u00fchrt das Problem.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Trotz der positiven Kritiken die &#8218;Bringing Rosa Home&#8216; erhielt, hast Du aufgeh\u00f6rt Texte zu schreiben, da Du nicht glaubtest, dass Latin Quarter jemals den kommerziellen Erfolg erzielen w\u00fcrden den Du wolltest. Ist kommerzieller Erfolg der richtige Ma\u00dfstab um zu sagen ob Musik einen Wert hat? Weil wenn es so ist, bedeutet es dann nicht &#8218;Top of the Pops&#8216; oder Stille?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Antwort, Gott hilf mir, ist JA &#8211; ja, ja, ja&#8230;. Ich bin mit den Beatles und Bob Dylan aufgewachsen und ich kann nicht so tun, als wenn es nicht so w\u00e4re. Dylan war 1966 der coolste Typ auf Erden und die Beatles waren der gr\u00f6\u00dfte Pop-Act den es jemals gab. Es gab enorm wichtige politische Ereignisse auf der ganzen Welt, (aber da gibt es immer&#8230;) und da gab es weit mehr w\u00fcrdige Vorbilder und Menschen, die weit mehr Anerkennung verdienen, als ein aufgeblasener (genialer) Popstar, der mit der widerlichen Andy Warhol Gesellschaft rumh\u00e4ngt (wie Dylan) oder die Fab Four. Aber egal, ich liebte sie, ich wollte sein wie sie (oder so sein, wie ich dachte das sie es waren) und das Tragische ist, ich tue es immer noch. (Ausgesprochen ohne einen Hauch von Ironie und nur mit einem sarkastischen L\u00e4cheln, um die Verlegenheit zu \u00fcberspielen)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Obwohl Du schon immer sehr pers\u00f6nliche Songs geschrieben hast, wie Love Has Gone und It Makes My Heart Stop Speaking, wurde dieser Aspekt von den Musikkritikern erst nach der Ver\u00f6ffentlichung von Bringing Rosa Home ber\u00fccksichtigt. Warum denkst Du war das so?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Nun, ich wei\u00df nicht wer diese Kritiker waren. Wieviele Kritiken bekamen wir? Ich sah nie irgendeine. Es gab vielleicht in Deutschland eine gewisse Kontinuit\u00e4t uns zu rezensieren, aber in Gro\u00dfbritannien hat es die Presse entweder unterlassen uns zu rezensieren (wie NME oder der Melody Maker) oder der Job wurde einfach an Leute \u00fcbertragen, die lieber ihren eigenen Namen gedruckt sehen wollten, als unser Album zu bewerten (wie z.B. in &#8218;Q&#8216;). Ich stelle mir gerne vor, dass jemand eine Kritik \u00fcber &#8218;Rosa&#8216; geschrieben hat und dachte: &#8218;Hmm\u2026 ein neuer Ansatz, ich frage mich warum?&#8216; aber, selbst wenn das geschah, bezweifele ich, dass es repr\u00e4sentativ war. Der Punkt ist, wenn du LQ kennst, wei\u00dft du auch, dass `Rosa&#8216; eine andere Art von Album ist. Es ist die am besten klingenste Platte und sie enth\u00e4lt mehr von Steve und mehr von seinem pers\u00f6nlichen Leben. Ein bi\u00dfchen auch von mir. Das h\u00e4tte wirklich ein Steve Skaith Album sein m\u00fcssen, obwohl ich bezweifle, dass SPV das getragen h\u00e4tte. Na und? Die waren nichts als ein Haufen Mist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bei den Aufnahmen zu Bringing Rosa Home hast Du Steve Skaith \u00fcberzeugt die Texte f\u00fcr die Fans etwas &#8222;einfacher&#8220; zu halten. Glaubst Du, dass das auch bei seinem neuen Album so sein wird?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Teilweise. Nicht zwangsl\u00e4ufig. Das was Steve in Mexico aufgenommen hat &#8211; so scheint es mir jedenfalls &#8211; scheint eher den Character eines Live-Albums zu haben. Das ist aber nicht das gleiche, was wir mit unseren Demos gemacht haben, als er noch in London wohnte. Ich glaube, das Steve am besten ist, wenn er sich nicht verstellen muss &#8211; in der Isolation seines Heim-Studios. Er verdient die Chance, ein Soloalbum zu machen &#8211; produziert von Daniel Lanois. Er ist der einzige Mensch, dem es jemals gelingen wird, den \u201eSound&#8220; von Latin Quarter einzufangen. Dieser Sound ist Steve selbst. Ich w\u00fcrde wieder mit ihm zusammen schreiben, wenn es richtig produziert werden w\u00fcrde. Bei vielen der Songs auf der mexikanischen CD ist es f\u00fcr mich unm\u00f6glich, nachtr\u00e4glich noch etwas zu ver\u00e4ndern. Man muss sich mal klar machen, dass ich viele der Demoversionen, wie zum Beispiel Race Me Down oder Model Son das erste mal vor 13 Jahren geh\u00f6rt habe. Ich glaube, dass Steve einige fantastische Songs, wie Other Mothers, That&#8217;s Why I Turned My Badge In oder She&#8217;s A Rebel einfach \u00fcbersehen hat. Ich kann verstehen, dass er mit neuen Menschen und in einer neuen Umgebung einfach drauf los spielen will, aber bevor diese Songs zu einem neuen Album werden k\u00f6nnen, ist das noch ein weiter Weg. Ich mag Look Away, Senorita No und Love Didn&#8217;t Get There First sehr gerne. Bobby is Bursting mag ich weniger. Diesen Song h\u00e4tte ich mir anders vorgestellt &#8211; so, wie er jetzt ist hat er f\u00fcr mich etwas von einer U2-Hymne, ehrlich! Aber seine Interpretation ist schon klassisch. Er bringt die Bedrohlichkeit dieser Songs sehr sch\u00f6n hervor &#8211; bei mir hingegen h\u00e4tten sie vermutlich richtig w\u00fctend geklungen. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das zum einfacheren Verstehen der Texte beitr\u00e4gt. Wenn man sich anh\u00f6rt, was Daniel Lanois aus Emmylou Harris hervorlocken kann: Durch ihre Offenheit wird sie intim &#8211; intim aber einfach zu begreifen. Ich glaube, das ist es, was Steve braucht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>In Anbetracht der best\u00e4ndigen Qualit\u00e4t von Deinen und Steve Skaith&#8217;s Liedern, ist es seltsam, dass Du an Deiner eigenen F\u00e4higkeit als Songwriter zweifelst. Bist Du nicht sehr unfair zu dir selbst und zu Deiner F\u00e4higkeit zu Schreiben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich habe ich lange Zeit versucht herauszufinden warum LQ nicht den Erfolg hatten, von dem jeder \u00fcberzeugt war, der mit LQ in den ersten Monaten und Jahren in Kontakt kam. Ich schrieb meine Dr.Phil.-Arbeit ausschlie\u00dflich um mir die Erfolglosigkeit von LQ zu erkl\u00e4ren und ich denke es gelang mir. Heute habe ich grundlegende Kenntnisse \u00fcber die Dynamik der Musikindustrie, die verschiedenen Variablen, deren reibungsloses Zusammenspiel f\u00fcr den Erfolg im Popgesch\u00e4ft einfach unerl\u00e4sslich ist &#8211; von der Musik und den Musikern, \u00fcber die Manager, die Mitarbeiter der Plattenfirmen usw. Wie auch immer die Erkl\u00e4rung f\u00fcr Erfolg oder Misserfolg lautet, man kann das nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren &#8211; und ganz bestimmt nicht auf so etwas wie &#8218;Gl\u00fcck&#8216; oder darauf, &#8218;zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein&#8216;. Der Punkt ist jedoch, dass meine Erkl\u00e4rung mich irgendwie v\u00f6llig entlastet, und das kann nicht richtig sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich fehlte mir auch das Urteilsverm\u00f6gen als LQ anfingen, selbst vorher schon, als Steve und ich begannen zusammen zu schreiben. Aber \u00b4fehlendes Urteilsverm\u00f6gen` kann nur ein Teil der Erkl\u00e4rung sein. Also, nachdem ich mir nun wieder eine Menge des alten Materials angeh\u00f6rt habe (als Teil des Proze\u00dfes, um diese Fragen zu beantworten), habe ich auch schon dar\u00fcber nachgedacht, ob nicht vielleicht auch die Form und die Inhalte meiner Texte ein Grund daf\u00fcr waren, dass Latin Quarter nicht \u00fcberzeugen konnte. Sicher: Ich kann mich nicht daran erinnern, viele Mitarbeiter von Plattenfirmen getroffen zu haben, die durch das, was wir geschrieben haben, motiviert wurden. Und so kam es, dass wir auch bei viel zu wenigen Radioproduzenten, DJs und Journalisten einen bleibenden Eindruck hinterlie\u00dfen &#8211; obwohl einige von ihnen nat\u00fcrlich auch begeistert waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles in allem, was meine Kommentare veranschaulichen sollten ist, wie schwierig es ist ein Gef\u00fchl f\u00fcr Popmusik zu entwickeln, oder wie manche Musik popul\u00e4r wird, wenn soviel schiefgeht. Es gibt viele Faktoren, Individuen und Organisationen zwischen den Songwritern und den Herzen und Ansichten der Zuh\u00f6rer. Ich bin fasziniert, dass es noch Leute gibt, die von dem begeistert sind was wir schrieben und aufnahmen. Es ist einfach so, dass ich mich noch immer nur schwer damit abfinden kann, kein Songwriter mehr zu sein. 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