Nach sechsjähriger Abwesenheit kehrt Steve Skaith mit einer neuen Band und dem neuen Album ‚Mexile‘ (erschienen auf Pläne Records) zurück. Der ehemalige Frontmann der englischen Popgruppe Latin Quarter tat sich mit Musikern in Mexiko zusammen und produzierte ein Album, randvoll mit eingängigen Melodien und intelligenten Texten. Obwohl es in Mexiko aufgenommen wurde, hält es an Altbewährtem fest. Ob dieses Album Steve Skaith endlich den Erfolg beschert, den seine Musik schon lange verdient, bleibt abzuwarten. Aber es wird sicher bisherige Latin Quarter Fans und hoffentlich auch ein neues Publikum faszinieren.

Wir sprachen mit Steve Skaith über sein neues Projekt……

Das letzte Latin Quarter, Album ‚Bringing Rosa Home‘, wurde vor sechs Jahren veröffentlicht. Warum gab es so eine lange Pause?

Diese Pause war nicht meine Idee! So ist das halt manchmal im Musikgeschäft. Nach ‚Bringing Rosa Home‘ sagte uns die Plattenfirma plötzlich das sie eine Hit-Single brauchen, falls wir auch weiterhin mit ihnen arbeiten wollten und anscheinend hatten wir keinerlei ‚Hit-Singles‘. An diesem Punkt wollte ich nicht in der selben Welt und auf die gleiche Art weitermachen. Ich fühlte, dass ich eine große Veränderung brauchte: Ich ging 1999 nach Mexiko. Selbstverständlich hätte ich gerne im ersten Jahr ein Album gemacht und es 2000 veröffentlicht. Aber es brauchte seine Zeit, erstens das Album aufzunehmen und dann eine Plattenfirma zu finden. Gott sei Dank, das Album kommt endlich raus und wir können mit dem nächsten weitermachen. Hoffen wir mal, dass es keine weiteren sechs Jahre dauert !

Der Bandname Latin Quarter ist vielen gut bekannt. Warum hast Du dich jetzt für den Bandnamen ‚Steve Skaith Band‘ entschieden?

Ich wollte einen neuen Anfang machen. Da Richard Wright an dieser Platte nicht beteiligt ist, wäre es schwierig zu sagen, dass das Latin Quarter sind. Der Prozeß und die Musiker waren sehr verschieden, selbst wenn das Endergebnis nicht weit von Latin Quarter entfernt ist. Auch aus kommerzieller Sicht dachte ich, dass dies besser wäre: das 7. Latin Quarter Album wäre weniger interessant, nehme ich an, als das erste Album eines neuen Projektes mit der eingebauten Story über einen englischen Songschreiber, der nach Mexiko ging. Wir werden ja sehen, ob das stimmt.

Was würdest Du sagen, haben die anderen Bandmitglieder auf dem Album bewirkt?

Nun, im allgemeinen geben sie dem Album die mexikanische/Latin Würze (mit Instrumenten und einigen Rhytmen). Ich hoffe, dies unterscheidet das Album ein bißchen von anderen britischen Singer/Songwriter Projekten.

Genauer gesagt.: Bevor es eine Band gab, war da Javier – der Gitarrist – und wir arbeiteten eine Menge an einigen der Songs als Duett, spielten in Bars usw. Was er beisteuerte ist klar: Riffs. Mit der Ausnahme von ‚Radio Africa‘. Ich denke, er hörte nie irgendeinen Latin Quarter Song. Wenn man ihn so spielen hört bei ‚Race Me Down‘, ‚Model Son‘ oder ‚The Spearcarrier‘, dann hat er keine Ahnung wie die Originale klangen. Er hatte die Idee zu diesen Riffs, die man in den neuen Versionen hören kann. Wir arrangierten auch ‚Lucky Man‘ zusammen, wo zwei musikalische Traditionen zusammentreffen.

Der Bass-Gitarrist Beto und der Drummer Hugo brachten Solidität. Aus technischen Gründen mußte Beto alle seine Parts nochmals einspielen, obwohl der Rest von uns schon lange fertig war. Er kam ins Studio, steckte den Stecker rein und machte alles bei der ersten Aufnahme.

Hugo hat inzwischen die Band verlassen und wir haben einen Neuen, Ricardo Serrano, der mit uns spielt. Er und Beto sind großartig zusammen und ich denke, dass das nächste Album (wir haben bereits mit den Proben begonnen) mehr Rhytmusabschnitte haben wird als ‚Mexile‘ und wahrscheinlich auch ein bißchen mehr lateinamerikanisch beeinflusst ist.

Woher stammt der Titel ‚Mexile‘?

Direkt aus der Feder von Mike Jones. Es ist eindeutig ein Wortspiel aus zwei einfachen Worten: Mexiko und Exil, und bezieht sich auf mein Leben hier in Mexiko. Als er es vorschlug, wußte ich sofort es ist richtig. Dennoch möchte ich sagen, dass ich nicht versuche meine Situation hier zu dramatisieren. Ich bin kein politisch Verbannter oder Asylsuchender. Ich bin aus freien Stücken hier.

Trotzdem fühle ich mich manchmal weit weg von zu Hause und die Tastsache, dass ich nicht das Geld habe zurückzukehren wann ich will, läßt es manchmal ein bißchen aufgezwungen erscheinen.
(z.B.: Ich hätte nichts dagegen jetzt in Europa zu sein, da ‚Mexile‘ veröffentlicht wird !!!)

Das Album klingt optimistischer als das letzte Latin Quarter Album. Ist es eine Widerspiegelung Deiner persönlichen Umstände, des mexikanischen Einflusses oder beides?

Ich hatte keine Ahnung, dass ‚Mexile‘ optimistischer klingt als ‚Bringing Rosa Home‘ und werde dir wohl glauben müssen. (Das ist mein Ernst.) Fakt ist, ich denke, ich war ziemlich niedergeschlagen als ich begann die meisten dieser Songs aufzunehmen, obwohl ich selten an den eigentlichen Aufnahmetagen deprimiert bin, da ich es so sehr liebe.

Ich vermute mal, dieseFrage und meine (Nicht-) Antwort zeigen, wie wenig wir eigentlich davon wissen, wie unsere Musik auf andere Leute wirkt.

War die Aufnahme dieses Albums sehr viel anders als bei den Latin Quarter Alben? Wie war der Aufnahmeprozeß bei ‚Mexile‘?

Es war anders. Wir begannen, bevor es überhaupt eine Band gab – nur Javier und ich – und er beteiligte sich wirklich nur, wenn Gitarren-Parts zu spielen waren. Es war so wie in den Tagen vor Latin Quarter, als ich grundsätzlich allein meine Demos machte. Ich liebe diese Freiheit. Mein erster Name für das Album war ‚Demo‘ und ich beabsichtigte es so unbearbeitet wie möglich zu lassen. Ich glaube, zu diesem Zeitpunkt war ich verärgert über das Musikgeschäft und ich sah, wie sich diese langweilig klingenden Platten ausbreiteten, die alle so aufpoliert und nichtssagend waren.

Als die Band ins Leben gerufen wurde, schien es eine gute Idee zu sein sie mit in die Aufnahmen einzubeziehen und als Javier einige wirklich moderne Aufnahmegeräte kaufte machten wir so weiter. Wir übertrugen das gesamte Material der früheren Tonbänder, überarbeiteten einiges neu und fügten den meisten Songs Bass und Drums hinzu. Es war nicht länger ‚Demo‘.

Die letzte Phase war die Songs mit Willy Levins in Los Angeles abzumischen. Das war mein Lieblingsteil. Er ist großartig, nicht nur als Mixer, sondern auch als Musiker, und er liebt es schnell zu arbeiten. Wir nahmen meinen ganzen Gesang auf und er fügte einige Dinge hinzu. Er fand, dass die Platte noch ein bißchen mehr Vielfalt bei den Instrumenten brauchen könnte und spielte E-Bow Gitarre bei einigen der Songs, verzerrte Javier’s Gitarre bei ‚Fake‘, usw. Er hatte auch tolle Ideen wie sich die aufgenommenen ‚Click Tracks‘ (das Metronom, auf das die Musiker hören, um im Takt zu bleiben) mit dem Sound verbinden lassen und im Mix verwendet werden können. (Hört euch ‚Model Son‘ und diese Percussions in der ersten Strophe an).

Aus finanziellen Gründen und wegen der Suche nach eine Plattenfirma, dauerte dieser Prozeß fast 3 Jahre. (Brauchst Du eine Definition für Frustration? 2001 gab es das Album und es wartete nur darauf beendet zu werden.) Ich glaube, so etwas Ähnliches passierte auch Latin Quarter in den 90’er Jahren. Jede einzelne Phase war trotzdem sehr schnell fertig, erste Aufnahmen wurden verwendet und das ist auch der Unterschied zu Latin Quarter. Richard Wright und ich arbeiteten zweifellos viel langsamer und überlegter. Ich weiß nicht, ob sich das im Klang der Platte widerspiegelt.

Haben Richard Wright oder andere Ex-Mitglieder von Latin Quarter ‚Mexile‘ gehört? Was halten sie davon?

Ich gab allen eine Kopie und ja, sie waren sehr freundlich in ihren Kommentaren. ( Ich nehme an, dass sie ehrlich waren.)

‚Mexile‘ wird auf einem deutschel Label veröffentlicht, Pläne Records. Warum müssen so viele britische Bands nach Frankreich oder Deutschland gehen, um ihre Platten zu veröffentlichen?

Momentan bin ich mit dem Musikbusiness nicht so vertraut, deshalb kann ich hier nur eine Vermutung anstellen – aber ich nehme an, es hat sich nicht viel verändert. Das britische Musikbusiness ist besessen von Neuem und ‚Angesagtem‘, während es auf dem europäischen Festland eine längerfristige Loyalität und ein größeres Interesse an Bands gibt. Abhängig davon auf welcher Seite du dich befindest, kannst du Großbritannien vorwerfen flach und eher Sklave der Neuheiten als der Qualität zu sein; oder du kannst den Deutschen vorwerfen langsam, konservativ und immer hinter frischer, neuer Musik zu sein.

Ehrlich gesagt, versuche ich nicht mehr viel über das Musikbusiness nachzudenken. Ich bin froh diesen Deal zu haben und ich hoffe, die Leute in Europa bemerken, dass es die Platte gibt.

Wird es eine Tour zum Album geben?

Das hoffe ich doch und die Band hofft es sogar noch mehr! Sie brennen darauf Europa zu sehen.
Ich denke, eine Menge hängt davon ab, wie die Reaktionen auf ‚Mexile‘ nach der Veröffentlichung sind. Ein Promoter wird abschätzen wollen, welches Interesse die Leute haben uns live spielen zu sehen. Die Plattenfirma hätte natürlich gerne eine Tour zum Album und wir haben auch schon vage über den September gesprochen. Wenn es eine Tour gibt, dann werdet ihr die Ersten sein, die es erfahren.

Das ‚Mexile‘ Cover stammt von James Swinson, wie auch das Cover von ‚Modern Times‘. Ich nehme an, Du bist ein großer Fan von ihm.

Ja, ein großer Fan und ein guter Freund. James hatte ein sehr gutes Verhältnis zu allen Latin Quarter Mitgliedern und wir sind ihm alle sehr dankbar. Ich nehme an, dass er auch glücklich ist mit uns gearbeitet zu haben – obwohl ich mir sicher bin, dass wir ihn in eine sehr entäuschenden Zeit gestürzt haben. Ich wollte nie irgendwelche offenen Kämpfe mit den Plattenfirmen oder dem Management austragen, so wie z.B. bei ‚Mick and Caroline‘. Sie wollten beide einen neuen Fotografen, einen neuen Graphik Designer, einen neuen Video Direktor und wir machten das mit – James spielte nur noch eine kleine Rolle. Ich fühle mich ein bißchen mitschuldig, wenn ich jetzt darüber nachdenke – und es war ganz sicher nicht die beste Entscheidung in der Geschichte der Musikindustrie – nicht wahr? Das Gleiche bei ‚Long Pig‘, er hatte ein viel besseres Cover, aber die Firma mochte es nicht und bestand deshalb auf ihr eigenes. Wir waren wieder damit einverstanden und James beschwerte sich nicht. Aber es ist bestimmt nicht immer leicht für ihn gewesen.

Das ‚Mexile‘ Cover ist großartig und ich weiß vom Latin Quarter Chat Club, dass die Leute es mögen. Es ist sehr auffallend und die Leute werden es in den Shops bestimmt bemerken.

Was gibt’s als nächstes?

Eine weitere Platte. Ich bedaure sehr, dass Latin Quarter so wenige Platten gemacht haben und es immer so eine große Pause zwischen ihnen gab. Ich hoffe, dass wir mit Pläne Records eine wirklich stabile und langfristige Beziehung aufbauen können, die es uns erlaubt eine neue Platte mindestens alle 2 Jahre, wenn nicht sogar alle 18 Monate oder jedes Jahr, zu veröffentlichen! So können wir wirklich eine beständige Beziehung mit den Leuten aufbauen, die mögen was wir machen. Tatsache ist, dass wir mit den Proben zu neuen Songs für das nächste Album bereits begonnen haben und vielleicht auch in den nächsten Wochen schon mit den Aufnahmen beginnen. Es klingt großartig. Ich denke, wir haben bereits sieben wirklich starke Songs und die Band möchte auch unsere neue Version von ‚King For A Day‘ miteinbeziehen. Es gibt also keinen Grund zu glauben, dass wir bis Weihnachten keine weitere Platte fertig haben werden.

Aber es ist alles von ‚Mexile‘ abhängig. Hoffen wir mal, ……

Menü schließen
×
×

Warenkorb

Warenkorb